„Ist unsere Demokratie in Gefahr?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Vortrag, den der ehemalige NRW-Landesminister Dr. Fritz Behrens am Donnerstag, 10. April um 19.30 Uhr in Haus Katz hält. Zu der öffentlichen Veranstaltung mit Vortrag und anschließender Diskussion laden die SPD Jüchen und die SPD 60plus im Rhein-Kreis Neuss alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein.
Ist unsere Demokratie in Gefahr? Zahlreiche Ereignisse der letzten Monate sind Anlass, diese Frage neu zu stellen und eventuell neu zu beantworten: Putins Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen auf Europa und die Welt, Trumps Wahlsieg in den USA und seine unberechenbaren politischen Aktionen und Aussagen, die Aufkündigung des alten westlichen Bündnisses zwischen USA und Europa, der Ausgang der Bundestagswahl am 23. Februar mit dem Erstarken der AfD, die Schwierigkeiten, danach eine „Große“ bzw. „Kleine“ Koalition zu bilden, die Schwäche Europas in der Weltpolitik: Das sind einige Gründe, sich um die Stabilität der Demokratie in Deutschland und darüber hinaus, in Europa und der Welt Gedanken zu machen.
Zu diesen Themen referieren wird ein politisch überaus erfahrener Jüchener Bürger: der in Damm lebende Dr. Fritz Behrens. Der aus Göttingen stammende promovierte Jurist war Büroleiter und Persönlicher Referent des NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau und anschließend neun Jahre Regierungspräsident in Düsseldorf, ehe er als NRW-Justizminister und danach als Innenminister wirkte. Nach wie vor verfolgt Dr. Fritz Behrens das politische Geschehen sehr aufmerksam, was ihn als Fachmann auf zahlreichen Themenfeldern qualifiziert.
Der Vortrag findet am Donnerstag, 10. April um 19.30 Uhr im Besprechungsraum im Erdgeschoss von Haus Katz statt – anschließend gibt es Gelegenheit zur Diskussion mit Dr. Fritz Behrens. Interessierte Gäste laden die Jüchener SPD und die Arbeitsgemeinschaft SPD 60plus im Rhein-Kreis Neuss herzlich ein. Für Erfrischungen ist gesorgt.
Mit einem deutlichen Votum für ihren Bürgermeisterkandidaten Philipp Sieben und die Anwärter auf die Ratssitze stellt die SPD Jüchen die personellen Weichen für die Kommunalwahl am 14. September. Auf der gutbesuchten Mitgliederversammlung im Ratssaal von Haus Katz erhielten sowohl der parteilose Philipp Sieben als auch die 19 Wahlkreisbewerber und die Vertreter auf der Reserveliste von den SPD-Mitgliedern überzeugende Zustimmungsraten von mehr als 90 Prozent.
„Ich danke den Mitgliedern der SPD Jüchen für das in mich gesetzte Vertrauen. In vielen Gesprächen konnten wir herausarbeiten, dass die Positionen der SPD eine Menge Übereinstimmungen mit meinen Auffassungen und Zielen aufweisen. Deshalb freue ich mich über die breite Zustimmung für meine Kandidatur und bin sicher, dass wir gemeinsam für Jüchen eine Menge erreichen können. Die Zeit des Aufbruchs ist gekommen!“ bedankte sich Philipp Sieben bei der SPD-Versammlung für seine Wahl. Die Parteimitglieder hatten den 39-jährigen Verwaltungsfachmann aus Otzenrath zuvor mit rund 91 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Bürgermeisterkandidaten gewählt. Im Wahlkampf will Philipp Sieben nun gemeinsam mit der SPD um die Zustimmung aller Jüchenerinnen und Jüchener werben – und hat dabei als Familienvater nicht zuletzt die Belange und Wünsche berufstätiger Familien im Blick.
Philipp Sieben schlug nach dem Abitur die Verwaltungslaufbahn ein – zunächst zur Ausbildung in der Kreisverwaltung Heinsberg. Anschließend arbeitete er sechs Jahre im Ordnungs- und Liegenschaftsamt der damaligen Gemeinde Jüchen, ehe er weitere Erfahrungen als Fachbereichsleiter in den Stadtverwaltungen von Hemer und Tönisvorst sowie im Kultur- und Wissenschaftsministerium des Landes NRW sammelte. Aktuell wirkt Philipp Sieben als Regierungsdirektor und Hauptdezernent im Dezernat 20 in der Bezirksregierung Köln, wo er rund 70 Mitarbeitenden vorsteht. In seiner Heimat ist Philipp Sieben fest verwurzelt: „Ich kenne die Menschen in Jüchen und deren Bedürfnisse und Probleme.“
Unterstützt wird die Kandidatur für das Amt des „ersten Bürgers der Stadt“ von einem runderneuerten Kandidierenden-Team der Jüchener SPD. So treten neun der 19 Wahlbezirksbewerber erstmals bei einer Kommunalwahl für die Sozialdemokraten an. Sie wurden von der Mitgliederversammlung mit einer Zustimmungsquote von durchschnittlich knapp 97 Prozent nominiert – ein ähnlich deutliches Votum wie das für die Reserveliste. Hier stellt die SPD insgesamt 33 Personen auf – angeführt von der Ortsvereins-„Doppelspitze“ mit Norbert John und Anna Strohbach, die die Jüchener SPD als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf führen. Die Reserveliste, auf der insgesamt elf weibliche Bewerberinnen vertreten sind, erhielt von den SPD-Mitglieder mit durchschnittlich 94 Prozent Ja-Stimmen gleichfalls einen überzeugenden Rückhalt.
Von links: Anna Strohbach, Philipp Sieben, Norbert John, Hakan Temel. (Fotos: Birgit und Niklas John)
Weitere Wahlgänge der Mitgliederversammlung hatten die Nominierung von Delegierten der SPD Jüchen für die Konferenz der Kreis-SPD am 2. April in Grevenbroich zum Ziel. Bei dieser Zusammenkunft soll unter anderem Hakan Temel als SPD-Landratskandidat gewählt werden – er war in Haus Katz gleichfalls vor Ort und dankte den Jüchener Genossinnen und Genossen für den schon jetzt erlebten Rückhalt. Weiterhin werden am 2.4. die SPD-Reserveliste für den Kreistag aufgestellt und die Wahlbezirkskandidierenden nominiert. Hier gehen in Jüchen Wolfgang Kaisers, Björn Gretzke und Mona Bergs für die SPD an den Start.
Der SPD-Co-Vorsitzende und Spitzenkandidat Norbert John zeigte sich nach der Versammlung hochzufrieden: „Wir danken unseren Mitgliedern für die herausragende Beteiligung an der Versammlung. Das große Engagement zeigt uns, wie motiviert die SPD Jüchen ist, einen Wechsel in unserer Stadt zu schaffen.“ Die Co-Vorsitzende Anna Strohbach ergänzt: „Wir haben mit Philipp Sieben einen jungen, hochqualifizierten Bürgermeisterkandidaten und dazu ein Team für den Rat, in dem viele neue Kandidierende ebenso ihren Platz finden wie erfahrene Kräfte. Mit diesem personellen Angebot und unserem kommenden Wahlprogramm stellen wir uns den Wählerinnen und Wählern, um frischen Wind in die Stadt Jüchen zu bringen.“
„Ich habe die kommunale Brille, ich habe die langjährige landespolitische Brille und ich denke, dass es nun Zeit ist für die erste Liga.“ Ina Spanier-Oppermann kandidiert für die SPD bei der Bundestagswahl am 23. Februar im Wahlkreis, der neben Jüchen auch Korschenbroich, Kaarst, Meerbusch und Teile von Krefeld umfasst. Beim „Talk auf dem Roten Sofa“ der SPD Jüchen stand die erfahrene Politikerin umfassend Rede und Antwort – und sammelte beim Publikum im „Roten Salon“ mit ihrer authentischen Art eine Menge Sympathiepunkte.
Ina Spanier-Oppermann saß von 2012 bis 2022 für die SPD im NRW-Landtag und war dabei „erste Vorsitzende im Hannelore-Kraft-Fanclub“. Aktuell ist sie bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Krefelder Stadtrat sowie stellvertretende Vorsitzende der Ratsfraktion. Ina Spanier-Oppermann fungiert weiterhin als Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der NRW-SPD, wobei sie von ihrer jahrelangen Tätigkeit als Gesamtbetriebsratsvorsitzende in einem großen Konzern profitiert.
Und warum jetzt der Sprung nach Berlin, wollte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Norbert John von der Kandidatin wissen: „Ich bin die Richtige für den Bundestag und für diesen Wahlkreis, weil ich mit hundertprozentigem Einsatz für ein Gleichgewicht in der Gesellschaft kämpfen werde. Und dabei weiß ich, an welchen Stellschrauben man drehen muss. Ich glaube, dass ich den richtigen Blick und eine große Lebenserfahrung damit verbinde, dass ich in vielen Bereichen gearbeitet und diverse Perspektiven eingenommen habe.“ Dabei weiß sie ihre Kandidatur gut einzuschätzen: „Es ist mir eine Riesenehre, für den Bundestag zu kandidieren – und ich bin dafür unendlich dankbar. Für mich ist diese Kandidatur etwas ganz Besonderes.“
Nicht nur ihre Partei, auch ihre Familie weiß Ina Spanier-Oppermann hinter sich: „Mein Mann und mein Sohn sind meine wichtigsten Begleiter und unbarmherzigsten Kritiker. Vor manchen Veranstaltungen mache ich einen Testlauf vor den beiden Herren. Mein Sohn ist dabei mein absoluter Gradmesser für die jüngeren Leute.“
Politik für arbeitende Menschen liegt der Krefelderin besonders am Herzen: „Ich habe mich immer für die Menschen eingesetzt, für ein Gleichgewicht in der Gesellschaft. Denn ich möchte in einem Land leben, wo dieses Gleichgewicht vorhanden ist. In einem Land, in dem die arbeitenden Menschen einen vernünftigen Lohn bekommen. Schließlich möchten wir uns alle auch mal etwas beiseitelegen.“
In ihren Aussagen ließ Ina Spanier-Oppermann beim „Talk auf dem Roten Sofa“ in Jüchen immer wieder durchblicken, dass sie mit viel Herzblut und Empathie bei der Sache ist. Gleichwohl schätzt sie den eher nüchternen Stil des Bundeskanzlers: „Ich mag die Art von Olaf Scholz, auch wenn ich damit manchmal schon ein bisschen auf Unverständnis stoße. Das liegt auch daran, dass ich bin mit einem Hamburger verheiratet bin und die hanseatische Art kenne und schätze.“
Und worauf kommt es ihr in Zukunft in der Bundespolitik an? Auch hier besitzt die SPD-Bundestagskandidatin eine klare Auffassung: „Ich wünsche mir für unser Land, dass wir eine stabile Regierung bekommen. Und dass die Menschen wieder Vertrauen in die Politik gewinnen. Durch die richtigen Politiker am richtigen Platz. Und dass es nicht die Konjunktur der Schreihälse wird, der Überschriften und der Phrasendrescher, sondern dass es eine ordentliche Politik gibt, die jeden Menschen hier in Deutschland im Blick hat und den Menschen wieder zuhört.“
Sie selbst möchte hier Vorbild sein – auch und gerade in Jüchen. „Ich möchte keine Eintagsfliege sein, egal wie die Wege sich ergeben. Die Menschen in Jüchen sind mir sehr freundlich und offen begegnet. Ich werde Jüchen immer im Auge behalten.“
Mit reichlich Beifall entließ das Publikum im Roten Salon die Kandidatin, die bei der Wahl am Sonntag auf ein positives Votum hofft. Ein Gast aus einem vollkommen anderen Bereich wird beim nächsten „Talk auf dem Roten Sofa“ erscheinen: Pater Andreas Petith, Leiter des Nikolausklosters in Jüchen-Damm, stellt sich am Dienstag, 18. März den Fragen der Jüchener SPD.
Ratsmitglied Mario Broisch (Mitte) mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Norbert John (links) und seinem Stellvertreter Hans-Josef Schneider. (Foto: SPD Jüchen)
Die SPD-Fraktion im Jüchener Stadtrat und das Ratsmitglied Mario Broisch haben vereinbart, dass der parteilose Ratsherr ab sofort Mitglied der SPD-Fraktion ist. Mit der Aufnahme des erfahrenen Kommunalpolitikers aus Hochneukirch wächst die Zahl der Ratssitze der SPD auf neun.
Mario Broisch gehört dem Rat der Stadt Jüchen seit 2014 als Ratsmitglied und zuvor als sachkundiger Bürger an. Bei der letzten Kommunalwahl 2020 errang er für die CDU in Hochneukirch erneut ein Direktmandat. Im Rat fungierte er zunächst als stellvertretender Fraktionsvorsitzender, ab Mai 2022 dann als Fraktionsvorsitzender. Nach seiner Abwahl aus diesem Amt und dem Ortsverbandsvorsitz in Hochneukirch-Otzenrath trat Mario Broisch im Januar 2023 aus der CDU aus. Im Jüchener Rat war er anschließend als partei- und fraktionsloses Ratsmitglied vertreten. Nach einem umfassenden Austausch der SPD mit dem 47-Jährigen hat die größte Oppositionsfraktion beschlossen, Mario Broisch als neues Fraktionsmitglied aufzunehmen. Beruflich ist er als Verwaltungsleiter im Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Rhein-Kreises Neuss tätig.
SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert John erklärt: „Bereits seit einiger Zeit sind die Führung der SPD-Fraktion und Mario Broisch im Gespräch. Dabei konnten wir auf beiden Seiten feststellen, dass wir in vielen Fragen gemeinsame Positionen aufweisen. Auch in Abstimmungen haben wir mehrfach gleiche Positionen bezogen. Insofern ist es nur konsequent, dass Mario Broisch nun Mitglied unserer Fraktion wird. Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich und sind überzeugt, dass auch die SPD von der Expertise und kommunalpolitischen Erfahrung von Mario Broisch profitieren wird.“
Ratsmitglied Mario Broisch sagt: „Ich habe auch in meiner Zeit als CDU-Fraktionsvorsitzender immer den Austausch mit allen demokratischen Kräften im Stadtrat gesucht. Den Gesprächsfaden mit der SPD-Fraktion haben wir nach meinem Austritt aus der CDU weiter verstärkt. Im Rahmen der jüngsten Haushaltsberatungen konnte ich feststellen, dass meine Ansichten und die Positionen der Jüchener SPD eine Menge Schnittmengen aufweisen. Daher freue ich mich, dass ich nun als Teil der SPD-Fraktion meinen Beitrag zur politischen Arbeit für die Jüchenerinnen und Jüchener beitragen kann.“
„Jüchen liegt mir am Herzen. Hier ist meine Heimat – ich will, dass es hier gut läuft.“ Beim „Talk auf dem Roten Sofa“ hat Philipp Sieben sich und seine Beweggründe zur Kandidatur ausführlich vorgestellt. Der vom Vorstand der SPD Jüchen nominierte Bürgermeisterkandidat will bei der Kommunalwahl am 14. September ins Rathaus einziehen – und hat für das Amt und die Stadt eine Menge frischer Ideen. Die Gäste im restlos gefüllten „Roten Salon“ dankten dem 39-jährigen Otzenrather mit langem Beifall für seine gelungene Präsentation.
Als parteiloser Verwaltungsfachmann tritt Philipp Sieben für die SPD zur Bürgermeisterwahl an – und sieht in dieser Konstellation eine Menge Vorteile: „Unabhängigkeit heißt für mich: Ich möchte hingehen und mit allen über die besten Lösungen sprechen. Ich denke, dass es ein Vorteil ist, wenn man von außen dazukommt und von außen draufschaut und nicht unbedingt aus der Jüchener Politikblase stammt. Ich nehme Ideen aus anderen Städten mit, die man hier einbringen kann und bin dabei völlig ungebunden. Lassen Sie uns einfach gemeinsam darüber sprechen: Was ist das Beste für Jüchen?“
Thema der Fragen der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Anna Strohbach und Norbert John war natürlich auch die Qualifikation des Kandidaten, der derzeit als Regierungsdirektor bei der Bezirksregierung Köln tätig ist und bereits im NRW-Wissenschaftsministerium sowie in verschiedenen Stadt- und Kreisverwaltungen Erfahrungen sammelte – unter anderem sechs Jahre im Ordnungs- und Liegenschaftsamt der damaligen Gemeinde Jüchen. Verwaltungshandeln und die Verhältnisse in seiner Heimatstadt sind im daher absolut vertraut: „Zu vielen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen habe ich immer noch einen guten Kontakt – und das finde ich sehr schön. Das freut mich.“
Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, mit der Politik und den Mitarbeitenden im Rathaus will Philipp Sieben frischen Wind in die Stadt bringen. „Ich glaube, dass ich die Menschen hier kenne, weil ich hier aufgewachsen und verwurzelt bin. Ich weiß, wie die Menschen ticken. Und ich nehme die Menschen ernst. Außerdem besitze ich die Fähigkeit zuzuhören. Für mich ist der Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern keine lästige Pflicht, die man erfüllen muss, sondern etwas, das ich wichtig finde und das mir auch Spaß macht: dass man einfach auf die Menschen zugeht und zuhört. Ich bin fest überzeugt, wenn man ernsthaft mit den Menschen spricht, sie mit ihren Sorgen und Fragen ernst nimmt, dann sind viele auch bereit, Lösungen zu erarbeiten. Das ist mir wichtig. Und deswegen bin ich davon überzeugt, dass ich der Richtige für den Job bin.“
Offenheit und Dialogbereitschaft sind zentrale Anliegen des 39-Jährigen, der den Großteil seines Lebens in Otzenrath verbracht hat: „Es gibt sicherlich einiges, was ich verändern würde. Das erste wäre mehr Kommunikation: Ich würde gern mit den Fraktionsvorsitzenden einen Ältestenrat gründen, um dann zu schauen: Welche politische Agenda will man in den nächsten Jahren verfolgen? Was sind die wichtigsten, dringendsten Probleme, die in Jüchen angegangen werden müssen? Im Rathaus ist meiner Meinung nach außerdem ein gewisser Wandel der Führungskultur notwendig. Dazu zählt Vertrauen. Ich weiß sehr gut, wie ein Rathaus funktioniert.“
Für den Amtsinhaber lässt Philipp Sieben dabei durchaus Wertschätzung erkennen: „Harald Zillikens respektiere ich als Mensch – ich habe großen Respekt vor ihm. Ich glaube, niemand kann ihm großes Engagement für die Stadt absprechen. Das heißt aber nicht, dass ich mit allen Entscheidungen einverstanden bin, die er trifft. Inhaltlich bin ich bei vielem anderer Meinung als er. Ich finde, es wird einfach Zeit für etwas Neues. Ich komme für mich zu dem Schluss, dass es anders gehen muss, dass es besser gehen muss.“
Und wie soll sich Jüchen nach Ansicht des Bürgermeisterkandidaten der SPD entwickeln? Hier hat Philipp Sieben ebenfalls klare Vorstellungen: „Drei Punkte sind mir besonders wichtig: Mobilität, bezahlbarer Wohnraum und ein lebenswertes Umfeld. Ich denke, es muss einen roten Faden geben in der Stadtentwicklung. Den sehe ich ehrlich gesagt im Moment nicht. Wenn ich gewählt werden sollte, möchte ich Jüchen zu einer Wohnstadt weiterentwickeln, die eine hohe Lebensqualität aufweist.“
Seine Motivation bezieht er nicht allein aus seiner tiefen Verwurzelung vor Ort, sondern auch aus ganz persönlicher Perspektive: „Ich habe ich eine kleine Tochter, und ich will, dass es hier in 30, 40, 50 Jahren noch lebenswert ist. Ich möchte einfach, dass wir hier eine gute Zukunft haben.“ Neben der Sanierung der städtischen Finanzen liegt Philipp Sieben daher die Zeit nach der Braunkohle sehr am Herzen: „Die Tagebaufolgelandschaft bedeutet für Jüchen eine große Chance. Welche Stadt hat schon die Möglichkeit, solche Flächen von Grund auf neu zu gestalten? Das gibt es sonst nirgendwo. Diese große Chance muss aber richtig angegangen werden, denn es wird Jüchen auf Jahrhunderte prägen.“
Beim nächsten „Talk auf dem Roten Sofa“ steht wieder vermehrt die „große Politik“ im Mittelpunkt: Am Montag, 10. Februar, 19 Uhr befragen die Ortsvereinsvorsitzenden Anna Strohbach und Norbert John im „Roten Salon“ Ina Spanier-Oppermann: Die erfahrene Politikerin kandidiert für die SPD im Wahlkreis 109, zu dem Jüchen gehört, für den Bundestag.
Wolfgang Norf (Mitte) mit den beiden Ortsvereinsvorsitzenden Anna Strohbach und Norbert John. (Foto: Birgit John)
Jede Menge Herzblut, eine soziale Ader und viel Organisationstalent: Das sind drei Voraussetzungen für die wichtige Arbeit der „Tafeln“. Wie die Lebensmittelausgabe an Menschen in Not und mit wenig Geld in Jüchen funktioniert und welche Aufgaben damit verbunden sind, darüber berichtete Wolfgang Norf beim „Talk auf dem Roten Sofa“ der SPD Jüchen. Der Vorsitzende des Vereins Existenzhilfe e.V. verantwortet und organisiert mit rund 100 Mitstreitern die Tafeln in Grevenbroich und Jüchen – im launigen Gespräch plauderte er auf dem Roten Sofa über die fordernde Vereinsarbeit und gab auch Ansichten zu Privatem und Politischem preis.
„Die Armut wird weiter zunehmen. Ich bin der Überzeugung, dass wir in Deutschland dahin steuern werden, dass es genau wie in Amerika nur noch zwei Klassen gibt, und zwar Arm und Reich. Der Mittelstand wird irgendwann verschwinden“, ist Wolfgang Norf für die gesellschaftliche Entwicklung hierzulande eher pessimistisch, wobei er vor allem eine Gruppe im Blick hat: „Was mir sehr, sehr viel Sorgen macht, ist die steigende Altersarmut. Und die wird jetzt nicht abrupt aufhören, sondern sie wird steigen – und da muss man eigentlich entgegenwirken.“
Ältere Menschen mit sehr knappem Budget kommen laut Wolfgang Norf „aus Stolz und Scham“ eher selten zur Tafel, obwohl sie durchaus Anspruch auf günstige Lebensmittel hätten. „Aber diese Menschen wollen oftmals einfach nicht zu uns.“
Dabei fänden sie ebenso wie die aktuell rund 1400 Kundinnen und Kunden bei den Tafeln in Grevenbroich und Jüchen ein breites und attraktives Angebot. Für einen Euro Gebühr und mit dem obligatorischen Berechtigungsausweis steht Woche für Woche ein breites Sortiment bereit – von Frischeprodukten über Milch und Käse, Obst und Gemüse bis hin zu haltbaren Lebensmitteln. Auch eine große Kleiderkammer öffnet in Grevenbroich während der Öffnungszeiten ihre Türen.
In Etappen werden die Kundinnen und Kunden immer dienstags und freitags zu den Ausgabezeiten von 14 bis 17 Uhr empfangen: in Jüchen in Räumen an der Rektor-Thoma-Straße 9, die der Existenzhilfe von der Stadt mietfrei zur Verfügung gestellt werden.
Die Waren, die für den Müll bestimmt, aber noch gut und genießbar sind, stammen von rund 120 Supermärkten und Händlern in der Region. In Grevenbroich, Jüchen und Rommerskirchen fahren die Mitarbeitenden jeden Tag mit vier Fahrzeugen raus und holen in festen Routen Lebensmittel ab. Ein Knackpunkt dabei sind die Fahrzeugbesatzungen: „Wir suchen eigentlich immer dringend Fahrer und Beifahrer, die für uns ein paar Stunden übrig haben. Und jede Stunde hilft“, legt Wolfgang Norf den Finger in eine Wunde.
Noch mehr Sorgen bereitet dem Vereinsvorsitzenden die überbordende Bürokratie: „Man verwaltet sich zu Tode, sei es fürs Finanzamt, für den Bundesverband, fürs Jobcenter oder andere Stellen. im Augenblick besteht mein Arbeitsalltag bei der Tafel aus 30 bis 40 Wochenstunden Papier von links nach rechts stapeln, knicken, lochen, abheften und irgendwelche Berichterstattungen und Berichte verfassen sowie Rede und Antwort stehen für Organisationen, für Ämter und so weiter. Das ist sehr unbefriedigend. Also ich möchte lieber wieder an die Front zurück.“
Denn die eigentliche Arbeit findet Wolfgang Norf ebenso wichtig wie persönlich befriedigend: „Wirtschaft und die Arbeit in Konzernen sind große Themen in meinem Leben gewesen, aber da wollte ich ja raus und ich wollte mit Menschen arbeiten. Deshalb haben wir mit sieben Personen vor rund 20 Jahren den Verein gegründet.“
Sehr zufrieden ist der 68-Jährige nicht nur mit dem enormen Engagement der rund 100 Ehrenamtlichen der Existenzhilfe, sondern auch mit dem Umfeld: „Mit dem Verein in Grevenbroich und Jüchen stehen wir ganz gut da. Wir werden sehr tatkräftig unterstützt, von der Wirtschaft ebenso wie von der lokalen Politik und, wenn auch eingeschränkt, vom Land.“
Allerdings sind die Perspektiven der Tafeln nicht ungetrübt: „Die Kapazitäten sind irgendwann erschöpft, weil die Spanne zwischen der Bedürftigkeit unserer Kunden und dem Zufluss an Lebensmitteln durch den Einzelhandel immer weiter auseinandergeht. Wir bekommen immer mehr Kunden, aber immer weniger Lebensmittel. Das hängt auch damit zusammen, dass die Lebensmittelpreise in den letzten Jahren enorm angezogen haben und die Lebensmittelhändler ihren Einkauf ganz anders gestalten.“ Deshalb ist die Existenzhilfe mehr denn je auf Beistand angewiesen – durch fördernde Mitglieder ebenso wie durch tatkräftige Ehrenamtler.
Für den kurzweiligen Abend war Wolfgang Norf der Dank der beiden moderierenden SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Anna Strohbach und Norbert John ebenso gewiss wie der Gäste im gut besuchten „Roten Salon“. Dieser wird am Dienstag, 21. Januar Schauplatz des ersten öffentlichen Auftritts des kürzlich nominierten SPD-Bürgermeisterkandidaten Philipp Sieben, der sich um 19 Uhr beim nächsten „Talk auf dem Roten Sofa“ den Fragen stellen wird.